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Risikomanagement :-)

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23 Mai 2003 01:00 #401 von Wolfgang Horn
Risikomanagement :-) wurde erstellt von Wolfgang Horn
Hallo Freunde,
traf gerade einen Berater und Verfechter des Risikomanagements.
Im Projektmanagement fehle es an Risikomanagement. Es sei katastrophal, kaum einer liste systematisch die Risiken seines Projekts auf, die müßten aber aufgelistet, kategorisiert, gewichtet und für jedes Risiko eine Vorsorgemaßnahme definieren...
Ich zeigte dann auf seinen tollen BMW, und ob er mir sein Risikomanagementhandbuch für die Fahrt zeigen könne...
Wer mit seinem tollen, zugkräftigen und schnellen Auto sicher ankommen will, der wird das kaum erreichen, wenn er sich vor Allem auf die Risiken konzentriert.
Ob er dann überhaupt loskommt? Bestimmt lange, bevor sein Wagen verrostet ist. Aber kommt er auch rechtzeitig an oder ist sein größtes Risiko, erst unter "ferner liefen" gelistet zu werden?
Natürlich müssen wir die größten Risiken im Blick haben, ansonsten aber auf das Ziel schauen, auf die Straße, auf die anderen, und "bloß" den schnellsten der sicheren Wege wählen. Und zusehen, was ich tun muß, um a) sicher anzukommen und b) vor der Konkurrenz.
Ich fühle mich als Projektmanager vom Risikomanagement auch ein wenig beleidigt, naja, vielmehr mißverstanden. Oder die Erfinder des Risikomanagements haben von Projektmanagement keine Ahnung gehabt. Können sie ja auch kaum, wenn sie versuchen wollten, nur die neuesten Managementarten zu verfolgen. Denn die spucken manche Elfenbeintürme ja schneller aus, als man sie lesen kann.
Denn Projektmanagement ähnelt durchaus dem zügigen Autofahren: Wir konzentrieren uns nicht auf die Risiken, sondern auf unser Ziel, und was notwendig ist, um a) sicher und b) zügig anzukommen.
Ein guter Projektablaufplan ist eine phantastische Maßnahme, nicht zur Vorsorge der unzähligen bedachten und der nicht bedachten Risiken, sondern um einigermaßen sicher anzukommen. Um die Übersicht zu behalten, so daß man sich noch mit seinem Team verständigen kann.
Was ist denn Qualitätsmanagement anderes, als dazu beizutragen, daß wir sicher und zügig ankommen?
Gutes Qualitätsmanagement ist daher zugleich bestes Risikomanagement.
Bis mich jemand vom Gegenteil überzeugt, erkläre ich das Risikomanagement damit zum "dumm Tüch". Nicht auf die Risiken starren, sich von diesen schon gar nicht entmutigen lassen, sondern !sorgfältig! voran planen. Und da leisten Projekt- und Qualitätsmanagement schon viel.
Ich zweifle an der Klugheit derjenigen, welche das Risikomanagement erfunden und in Gesetze gebracht haben.
Ich frage mich, ob die Erfindung des Risikomanagements ein Ergebnis der Kunst ist, die Übel "Angst", "Verzagtheit", "Faulheit" und "Zauderei" zur Tugend zu erklären.
Ciao
Wolfgang Horn



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23 Mai 2003 01:00 #402 von Martin S
Martin S antwortete auf Risikomanagement :-)
Hallo Wolfgang,
ein uralaltes Sprichwort besagt:
"Wer nicht wagt, der nicht gewinnt".
Darin steckt das Wort "Wagnis".
Sich auf "dünnes Eis wagen", in unbekanntes Gebiet vorwagen.
Dieses Sprichwort scheint noch aus einer Zeit zu kommen, als es noch mutige menschen gab, die den Mut hatten, etwas zu tun, was kein anderer vor ihnen getan hatte.
Diese Menschen gab es mal, vor langer langer Zeit.
Heutzutage werden solche Menschen eher als Spinner bezeichnet.
Lieber begibt man sich auf eingetretene Pfade, die zwar sicher (risikoarm) sind - doch der Preis ist, das man in der Masse untergeht.
Sicher ist es heutzutage ein Problem, das die Versicherungsgesellschaften immer mehr dazu neigen, die Risiken auf ihre Klienten zu übertragen. Das führt eben dazu, das man lieber nicht allzuviel riskiert - es könnte ja was schiefgehen, weil das Risiko vorher nicht
abgeschätzt habe.
Tja - und so gibtt es immer weniger mutige Rittersleut auf dieser Welt.
Gruß, Martin S



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25 Mai 2003 01:00 #403 von Wolfgang Horn
Wolfgang Horn antwortete auf Risikomanagement :-)
Hallo Martin,
: Dieses Sprichwort scheint noch aus einer Zeit zu kommen, als es noch mutige menschen gab, die den Mut hatten, etwas zu tun, was kein anderer vor ihnen getan hatte.
Das Phänomen der Mutlosigkeit ist so zu beobachten, ja.
Die Formulierung "als es noch mutige Menschen gab" ist allgemein verbreitet.
Bei genauer Betrachtung aber falsch - und wenn man bei ihr bleibt, versperrt man sich mindestens einen Weg in eine bessere Zukunft.
Denn "Mut" ist ähnlich wie "Schönheit" ein Urteil im Auge des Betrachters und keine angeborene Eigenschaft wie Körpergröße.
Wir Beobachter vergeben dies Attribut aus den Verhaltensweisen, die wir erkennen.
Wozu meint ein Banker, seinen Kreditnehmer mit noch mehr Bürokratie zu lähmen?
Eine der Ursachen hat mit der "Sturmflut der Managementmodewellen" zu tun, mit der Verunsicherung, die diese hintelassen.
"Wenn Dich der Fürst von Wei bitten würde, die Regierung zu übernehmen, was würdest Du zuerst beginnen?" "Zuerst", antwortet der Meister, "müssen die Begriffe richtig bestimmt werden. Wenn die Begriffe nicht richtig bestimmt sind, stimmen die Aussagen nicht mit den Tatsachen überein; wenn die Aussagen nicht mit den Tatsachen übereinstimmen, sind die Geschäfte schlecht zu führen, wenn die Geschäfte schlecht zu führen sind, gedeiht keine Ordnung und Harmonie, wenn keine Ordnung und Harmonie gedeiht, wird Gerechtigkeit zur Willkür, wenn Gerechtigkeit zur Willkür wird, weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen." (Konfuzius)
In unserer Wirtschaft sind die Begriffe eben nicht richtig bestimmt, sondern vielfach überbestimmt. Wir haben eine Flut an Begriffen und Theorien, die einzeln gelegentlich stimmen, einander aber widersprechen und gemeinsam deshalb nie stimmen können.
_Eine jede Lehre, wenn sie ein System, d.i. ein nach Prinzipien geordnetes Ganzes der Erkenntnis sein soll, heißt Wissenschaft.

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26 Mai 2003 01:00 #404 von Frank Hergt
Frank Hergt antwortete auf Risikomanagement :-)
Hallo Wolfgang!
Muß doch mal wieder wider den Stachel löken! (Antwort auf Dein letztes Mail kommt noch.)
Also: Risikomanagement beim Autofahren (längere Strecke):
- Benzintank voll?
- Luftdruck 0,2 bar über Soll?
- Ölstand ok?
- Scheiben und Scheinwerfer sauber?
- Karten dabei?
- Und für BMW-Fahrer: Genug Baldrian geschluckt?
Ich weiß nicht, was derzeit als "Risikomanagement" verkauft wird. Ich weiß aber, daß derzeit Firmen Probleme haben, die kein Risikomanagement beim Dollarkurs betrieben haben. Und ich habe selber schon Projekte gesehen, die nach "Augen zu und durch!" gefahren wurden. Die Reste waren dann am erstbesten Alleebaum zu bewundern. Für mich läuft unter Risikomanagement beispielsweise:
- Eine sauber durchgeführte Produkt- und Prozeß-FMEA.
- Zeit für Korrekturschleifen einrechnen.
- Realistische Kapazitiätsplanung.
- Bei technisch riskanten Lösungen: Back-Up-Konzept im Ansatz mit erarbeiten.
Vergiß nicht: Wenn Du die Geschichte der Technik und Erfindungen liest, wird den Gescheiterten normalerweise wenig Platz eingeräumt. Das heißt nicht, daß es sie nicht gibt.
Da wir wahrscheinlich, wie üblich, inhaltlich nicht weit auseinanderliegen, wäre ich dankbar für Beispiele, was Dir (und Martin) unter "Risikomanagement" serviert wurde.
Schöne Woche!
Frank




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26 Mai 2003 01:00 #405 von Ralf Schmidt
Ralf Schmidt antwortete auf Risikomanagement :-)
Hiya,
da will doch der Wolfgang nicht schon wieder mal provozieren!? ;-)
Für mich beinhaltet Projektmanagement ein gewisses Maß an Risikomanagement. Beispiele sind zeitliche Puffer, jede Fall/Roll-Back Lösung, Backup-Systeme und was auch immer, in Abhängigkeit vom zu erwartenden Risiko. Normalerweise integral in der Projektplanung vorhanden kann es notwendig sein bei sehr komplexen Projekten Risiken für sich zu betrachten und zu bewerten. Das ist für mich kein "Risikomanagement" in dem versucht wird neben Hosenträgern und Gürteln auch noch zusätzliche Backup-Systeme (zweites paar Hosen darunter, etc.) zu installieren sondern Verbesserung der Überlebenschance im hochkomplexen Umfeld.
Was ich unter angewandtem Risikomanagement verstehe:
Ich fliege mit einer Sportmaschine von A nach B. Dabei schaue ich mir vorher den Plan genau an, vermeide Kontrollzonen, das Überfliegen von Geländen in denen Notlanden nicht möglich ist, checke die Maschine durch und starte. Danach freue ich mich an einem schönen Flug bei dem ich mich voll auf den Genuss als auch auf unvorhergesehene Probleme (Wildgänseschwarm, entgegenkommende Flugzeuge, etc.) konzentrieren kann. Wo nötig wird der Plan "in flight" nachgehalten und angepasst.
Was ich unter "Risikomanagement als Selbstzweck" ansehe:
Ich verfahre bei der Planung genau so, allerdings lasse ich die Maschine zusätzlich von zwei weiteren Personen checken. Ich höre genau Wetter, Flugfunk etc. ab und zeichne mir jedes Feld ein auf dem ich ggfs. Notlanden könnte. Nicht zu vergessen Notration, Signalpistole, Schwimmweste, Survivelmesser, etc. Einmal in der Luft versuche ich genau diese Felder zu erkennen, checke ständig die Instrumente - und knalle in eine frontal entgegenkommende 747 - die leider nicht eingezeichnet war.
Oder, alternatives Ende, trotz bester Planung habe ich den Kurs verloren (Wettervorhersage war dann doch nicht sooo genau ;-)) und stürze in Panik ab da ich mich nicht mehr zurechtfinden kann.
Man muss halt immer den goldenen Mittelweg zwischen dem blindem Hassardeur und dem überängstlichen Hasen finden.
Aber: Wenn ich als PL bereit bin Klippen haarscharf zu umschiffen muss ich zumindest wissen wie tief die Klippen sind und wie groß der Schaden bei einem Anschrammen wäre - das ist dann wiederum Risikomanagement im PM.
Bis dann,
Ralf Schmidt



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27 Mai 2003 01:00 #406 von Wolfgang Horn
Wolfgang Horn antwortete auf Risikomanagement :-)
Hiya, Ralf,
: da will doch der Wolfgang nicht schon wieder mal provozieren!? ;-)
Doch, natürlich. In der oberflächlichen Informationsflut neigen wir, die wir Ruhe suchen, zur Harmonie. "Ja nicht streiten!".
Dabei rühren wir viel Widersprüchliches zu einem Einheitbrei der Harmonie zusammen, an dem wir uns dann aber doch verschlucken.
Provokation wirbelt den Brei der vermeintlichen Harmonie auf, so daß Dissens entsteht:
_Tragfähiger Konsens entsteht nicht aus allgemeinem Harmoniestreben, sondern nur aus ausgetragenem Dissens.

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